«Active Sourcing in unserer Organisation! Wunsch oder Realität?»

Eveline Muhmenthaler

Senior Consultant, Swissolution Human Capital AG

Active Sourcing ist bei der Besetzung von Kader- und Spezialistenpositionen nicht mehr wegzudenken und damit zur Realität geworden. Die Tools der sozialen Netzwerke ermöglichen allen Registrierten, Profile aufgrund des fachlichen Hintergrunds zu finden. Die effektive Arbeit startet aber erst mit einer professionellen und überzeugenden Direktansprache, die dem Profil Leben gibt sowie der richtigen Betreuung des aktiv angesprochenen Kandidaten. Und was passiert, wenn das Profil dann doch nicht zur Position passt? Die kontinuierliche Kontaktpflege zu potentiellen Kandidaten ist deshalb nicht zu vernachlässigen und einer der wichtigsten Bestandteile des Active Sourcing. Als fokussierte Agentur haben wir die Möglichkeit, differenziert auf künftige, mögliche Mitarbeitende zuzugehen. Zusätzlich können wir mit Kandidaten, die bei Unternehmen nicht ganz passend sind, weiterarbeiten. Für Unternehmen, die Active Sourcing in eigener Sache betreiben, kann es ab hier delikat werden. Denn ein Kandidat will die Nr. 1 und nicht 2 sein, und hat in den meisten Fällen keine Lust, sich noch einmal bei dem Unternehmen zu bewerben. Und die Qualität der Direktansprache hat schlussendlich immer einen Eindruck auf die Arbeitgebermarke.

Stephan Winkler

Sales Manager, Almirall AG

Als Sales Manager eines kleinen Unternehmens ist man automatisch ein Active Sourcer, in dem man sein lange gepflegtes und gehegtes Netzwerk bei Bedarf anzapft. Kontakte sollten aber nicht nur dann angegangen werden, wenn es eine Stelle zu besetzen gibt, sondern kontinuierlich gepflegt werden. Ein identifiziertes Talent muss unser Interesse stetig spüren und sollte bei allen Gesprächen die Werte und Strukturen der Firma vermittelt bekommen. Für kleine Firmen ist diese Vorgehensweise enorm wichtig, um Talente auf eine direkte, unkomplizierte Art gewinnen zu können. Dabei steht die Transparenz im Vordergrund. Es gilt Enttäuschungen zu vermeiden, falls die Vorstellungen des Kandidaten mit den Rahmenbedingungen des Unternehmens nicht übereinstimmen. Stimmt das Angebot mit zuvor versprochenen Bedingungen überein, können Firma und Kandidat auch bei negativem Bewerbungsverlauf mit gutem Gefühl auseinander gehen. Man sieht sich bekanntlich ja immer zweimal im Leben.

Cornelia Dannmeyer

Head of HR BACH, Sandoz Pharmaceuticals AG

Active Sourcing ist ein zweischneidiges Schwert. Die Vorteile liegen auf der Hand: Oft kennen Linienmanager gute Leute bei anderen Firmen, z.B. von Kongressen oder früheren Tätigkeiten. Bei Bedarf kann sehr rasch auf bestehende Kontakte zurückgegriffen werden, Zeit und Kosten im Rekrutierungsprozess werden reduziert. Die Nachteile liegen im Bereich des aktiven Managements eines Kandidaten-Pools, auch bei grossen Unternehmen: Mögliche Kandidaten unverbindlich kennenzulernen, den Kandidaten Pool zu pflegen sowie die Kontakte „warm zu halten“ bedeutet Organisation, Struktur und bedarf viel Zeit. Oft fühlt sich niemand so richtig dafür verantwortlich. Das ganze know how liegt bei HR oder einzelnen Managern, bei Veränderungen ist dieses weg. Wenn sich zudem aus Kandidatensicht in unserem dynamischen Arbeitsmarkt in Kürze nichts ergibt, kann die vorerst positive Stimmung rasch zu Frust und einem negativen Bild einer Unternehmung führen. Dennoch, Active Sourcing ist im heutigen war for talents nicht mehr wegzudenken.

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