Control – Alt – Delete! Absagemanagement im Active Sourcing

Doris Fink

SwisSolution Human Capital AG, Senior Partner

Nur wenige Unternehmen beschäftigen sich mit der „Candidate Experience“ von Personen, die über eine Direktansprache in einen Rekrutierungsprozess kommen. Meist werden diese „historisch bedingt“ wie Bewerber, sozusagen als „Interessenten“ und „Bittsteller“ behandelt. Das Suchinstrument „Active Sourcing“ erfordert im Zeitalter des „War of Talents“ eine Verhaltensänderung von HR & Linie im Bewerbermanagement. Absagen nach dem Motto: „Aus den Augen – aus dem Sinn“ hinterlassen bei Kandidaten verbrannte Erde. Eine transparente und ehrliche Absage, schafft einen respektvollen Rückblick und legt die Grundlage für einen nächsten Kontakt.

Markus Krienbühl

Rivella, Leiter Human Resources

Die Bedeutung von Jobabsagen – nicht nur im Active Sourcing - kann meiner Meinung nach nicht hoch genug gewertet werden. Bei einer Zusage für die Besetzung einer vakanten Position „produzieren“ wir gleichzeitig bis zu 200 Enttäuschungen, sprich Absagen. Es wäre fatal, den Rekrutierungsprozess mittels „0815-Absagen“ raschmöglichst abschliessen zu wollen oder das Absagemanagement amateurhaft zu gestalten. Ein professionelles „Absagemanagement“ ist für Rivella ein zentraler Touchpoint und Teil der gesamten Candidate Experience. Dazu gehört eine transparente und wertschätzende Kommunikation und – ganz wichtig – persönliche Rückmeldung durch das HR und teilweise auch noch durch die Linienverantwortlichen. Die Absage ist in der Regel der letzte Kontakt eines Kandidaten mit uns. Sollten wir erneut eine ähnliche Stelle frei haben, so bewirbt sich der Kandidat vielleicht wieder. Und wenn er eine positive Candidate Experience bei uns erlebt und gut behandelt wird, teilt er das seinem Umfeld mit und macht so Werbung für uns. Dies kann wiederum andere Menschen dazu bewegen, sich bei uns zu bewerben. Und - der Kandidat könnte ja by the way auch bestehender oder potentieller Konsument sein, unsere Produkte kaufen. Oder eben nicht.

Manuel Portmann

Compass Group (Schweiz) AG, Head of Human Resources a. D.

„Es gibt Vakanzen, bei welchem Unternehmen Kandidaten aktiv ansprechen. Soziale Netzwerke, persönliche Empfehlungen oder Erinnerungen an ehemalige Arbeitskollegen führen oft dazu, dass Rekruter oder Linienvorgesetzte diese Kandidaten persönlich kontaktieren. Kommt es dann doch zu einer Absage, ist der Eindruck welche diese Kandidaten über die Unternehmung und den Rekrutierungsprozess gewonnen haben, besonders wichtig. Die abgesagten Kandidaten tragen ihre Erkenntnisse – positive oder negative – in den Markt. Beeinflussen so die Arbeitgebermarke nicht unwesentlich. Die Absage soll durch diejenige Person erfolgen, welche den Kandidaten am besten kennen gelernt hat. Diese Person kann dem Kandidaten in einem Gespräch eine gut begründe und nachvollziehbare Absage eröffnen - ein Dankeschön für die aufgewendete Zeit und das Engagement aussprechen. Wertschätzende Absagen müssen als Standard im Rekrutierungsprozess vorgesehen und gelebt werden.»

Leserkommentare

Hansruedi Zürcher

23/09/2015 14:31

Leider wird heute in den Unternehmen sehr viel nach dem Motto: "Keine Antwort ist auch eine = Absage" gearbeitet, dies gehört sich einfach nicht! Bei Unternehmen die noch Absagen machen werden diese oft nicht begründet (Standardabsagen ohne jede Aussage) oder aber die Absagen erfolgen Monate später... Wird ein Kandidat, sprich "ein potenzieller neuer Mitarbeiter" so behandelt wird er sich kein 2. Mal bewerben!, nein ganz im Gegenteil er wird dies im Bekannten- und Freundeskreis erzählen!

Andy

23/09/2015 15:51

Das Problem fängt schon viel früher an. Manche HR-Abteilungen begnügen sich mit einer automatischen Empfangsbestätigung und das war es dann. Keine Absage nichts. Für so ein Unternehmen möchte niemand mehr arbeiten. Da sieht man was eine unfähige HR Abteilung kaputt machen kann. Teures Employer Branding und dann nicht einmal eine Absage zustande bekommen. In Sachen Active Sourcing ist die Situation schwieriger. Erst angesprochen werden - dann eine Absage kassieren. Verletzter Stolz ist auch mit einer plausiblen Absage nicht so schnell aus der Welt. Kein einfaches Thema.

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