Digitale Transformation in der Personalgewinnung – Wohin geht die Reise?

Thomas Suter

Senior Partner, SwisSolution

Die Digitalisierung in der Personalgewinnung ist schon in unterschiedlichen Bereichen spürbar. Online Job-Portale, Social-Media Plattformen, Online Assessments oder Unternehmensbewertungsportale sind schon gut etabliert, werden rege genutzt und bauen ihre Services immer weiter aus. Neuere Trends wie Mobile-Recruiting-Apps drängen zudem auf den Markt und wollen die Stellensuche möglichst automatisieren und vereinfachen. Gleichzeitig professionalisieren die Unternehmen Ihre eigenen Karriereportale und gestalten ihre Arbeitgeber-Marke digital. In der Summe stehen so dem potentiellen Kandidaten aber auch den Unternehmen viele wertvolle Informationen und Möglichkeiten zur Verfügung. Die Problematik liegt dabei aber genau in der Masse an Informationen auf unterschiedlichsten Plattformen. Es fehlt an der Zeit und am Know-how, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Als Spezialisten in der «digitalen Personalgewinnung» für Schlüsselpositionen liegt genau hier der Mehrwert, der eine professionelle Personalberatung bieten kann. Die digitale Zukunft in der Personalberatung ist eine interaktive Plattform, welche hilft die vielen Informationen zu bündeln und sinnvoll zu nutzen. Entscheidend dabei wird sein, dass nicht nur ein skill-basiertes Matching erfolgt, sondern viel mehr die Interessen, Ziele und Werte der Talente im Vordergrund stehen und mit der Kultur der Unternehmen abgeglichen werden. Über diese Plattform wird es möglich sein, mit Unternehmen direkt in der Besprechung einer potentiellen Suche die richtigen Zielfirmen und Profile zu identifizieren und eine transparente Marktübersicht zu erarbeiten. Gleichzeitig wird das gesuchte Profil geschärft, was die Effizienz in der Suche deutlich erhöhen wird. Für Kandidaten wird über die gleiche Plattform die Möglichkeit entstehen, gezielt die Unternehmen zu identifizieren, welche optimal zu ihren Werten und Interessen passen und wo sie die Möglichkeit haben, ihre beruflichen Ziele zu erreichen. Digitale Plattformen werden in Zukunft helfen die Rekrutierung bis zu einem gewissen Grad zu automatisieren und zu professionalisieren. Personalberatungen werden dadurch noch effizienter und effektiver in der Herbeiführung von tailormade Lösungen für Kunden und Kandidaten. Das individuelle Know-how des Beraters wird es aber immer brauchen, um die richtigen Menschen miteinander zu verbinden.

Mario Wegmüller

Leiter Kontaktcenter Region Mitte/Ost/Süd, PostFinance

Automatisierung, Big Data und Social-Media unterstützen in Zukunft die Führungskräfte und Personalabteilungen in der Rekrutierung. In der Personalgewinnung der Zukunft sehe ich aktuell noch grosses Potenzial, aber auch bereits viele tolle Ansätze von Digitalisierung. Neue Technologien entlasten Personalverantwortliche in Unternehmen. Das Nutzen von Social-Media wie XING und Linkedln ist dabei bereits schon normal und gibt uns die Möglichkeit Kandidaten gezielt und ohne grossen Streuverlust anzusprechen. Der „Recruiter von morgen“ ist eine Maschine, die automatisch eine Vorauswahl trifft. Dieses Tool kann nicht nur die fachliche Kompetenz eines Bewerbers messen, sondern auch prognostizieren, ob der Bewerber über die sozialen Kompetenzen verfügt und zur Kultur des Unternehmens passt. Dabei trifft das Recruiting-Tool seine Auswahl nachweisbar unabhängig von Vorurteilen über Geschlechter, Ethnien, Religionen usw. Lebensläufe können auf Standartmasken hinterlegt, Muss-Kriterien abgeglichen und allfällige Absagen automatisch ausgelöst werden. Schon hier Spart das Unternehmen Zeit und Geld ohne Qualitätsverlust. Sprachentest, erste Interviews über Skype oder wiederum durch einen Computer machen den Prozess effizienter und schonen Ressourcen. Videos mit Firmenvorstellungen sparen zusätzlich Zeit. Belastungstest und berufliche Alltagsituationen werden bereits heute in Assessments angewendet und geben vorab ein gutes Bild über die Stärken der Bewerber. Struktogramme können in den Prozess eingeflochten werden, die Möglichkeiten sind schier unerschöpflich. Aber auch die Bewerber holen sich bereits heute einfacher Infos über die Zielfirma! Plattformen wie kununu und andere Bewertungen, wie auch ein Rundgang mit der VR Brillen im Unternehmen werden normal sein oder sind es für viele Menschen heute schon. Gerade hier sehe ich eine wichtige und nötige Investition für viele Unternehmen, da heutige Bewerberplattformen für den „Kunden“ oft noch sehr umständlich und wenig einladend aufgebaut sind. Der „Hacken“ für Bewerben wird somit künftig viel bewusster, aber gleichzeitig effizienter als heute gesetzt. Die Digitale Transformation in der Personalgewinnung wird schneller voranschreiten, als es mancher Firma lieb ist. Dazu kommt, dass die künstliche Intelligenz in Zukunft auch weiter an Gewicht gewinnt und so die Verknüpfung von Arbeitgeber und Arbeitnehmer optimiert. Die endgültige Entscheidung trifft letztlich aber noch der „Mensch“!

Thomas Kämpf

Human Resources Director, Marionnaud AG

Klar, die Bedeutung von „Social Media“ wird zunehmen. Es werden immer mehr Profile auf Xing und Linkedin zu finden sein und die Verlinkung dieser Tools mit den Web Recruiting Systemen der Firmen wird optimiert sein. Ich kann mir vorstellen, dass der Bewerbungsprozess noch einmal massiv vereinfacht wird. Während vor 20 Jahren noch Stunden investiert wurden, um das “perfekte Dossier“ zu versenden, benötigen wir heute vielfach nur noch Minuten, um eine Mail mit Anhängen zu versenden und in Zukunft werden es wohl nur noch Sekunden sein, indem wir mit ein paar Klicks ein Job Ad mit unserem Xing Profil verbinden und so die Bewerbung bestätigen. Verloren gehen dabei Kreativität und das Zeigen von wahrem Interesse, welches durch einen gewissen Zeitaufwand für die Bewerbung zumindest ansatzweise demonstriert werden konnte. Wie wird dies kompensiert? Werden Bewerbungen zukünftig Videobotschaften von Kandidaten enthalten? Werden Kandidaten mehr Zeit in Online-Assessments investieren müssen? Werden mehr Erstgespräche geführt, diese aber effiziert mit Videotelefonie abgehalten und danach der Prozess mit den Personen auf der Shortlist viel intensiver und persönlicher gestaltet? Die digitale Transformation wird uns viele Vorteile bringen. Der Administrationsaufwand wir sich drastisch verringern und der Rekrutierungsprozess wird professioneller, davon bin ich überzeugt. Dennoch bin ich der Meinung, dass die Wichtigkeit von Social Media in der Rekrutierung überschätzt wird, insbesondere im Kaderbereich. Ein gutes Netzwerk, solide Referenzen und ein transparentes und kompetentes Auftreten in persönlichen Bewerbungsgesprächen werden auch in Zukunft den Unterschied machen. Persönlichkeit und Emotionen entscheiden, nicht Titel, Diplome und eine selbstherrliche Darstellung auf Web-Plattformen. Positive und mutige Teamplayer, die Mitarbeiter gut auswählen und Vertrauen schenken, werden die Zukunft prägen. Emotionale Intelligenz wird wichtiger werden als sachliche Intelligenz. Begeisterung, Kreativität und Leidenschaft machen den Unterschied zwischen Siegern und Verlierern aus. Und es werden nicht Maschinen und Softwareprogramme sein, die genau diese Mitarbeiter für die Firmen rekrutieren und finden.

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