Kopfkino Direktansprache

Doris Fink

Geschäftsführerin, SwisSolution Human Capital AG

Ein Active Sourcer muss sich respektvoll bewusst sein, dass die Direktansprache immer eine Reaktion auslöst. Es ist ein Eingriff in ein Menschenleben, was Konsequenzen hat und eine Verhaltensänderung des angesprochenen Kandidaten nach sich zieht. Feedbacks von Kandidaten zeigen, dass sie meist von „Verkäufern“ kontaktiert werden, die ihr Angebot rasch ab- und durchdrücken wollen. Qualität geht vor! Passgenaue Ansprachen führen zu weniger Irritationen sondern positiven Erlebnissen.

Gabriele Ulmann

Verkaufsleiterin, Roche Pharma Schweiz

Häufig entsteht bei mir der Eindruck, dass ich als Angesprochene durch ein Crawling gelaufen und zufällig in die Auswahl gerutscht bin. Ich ärgere mich, dass ich vorformulierte Anschreiben oder Call-Center Anrufe mit Standard-Texten vorgelesen erhalte, die ins Leere laufen. Die Ansprache durch Active Sourcer selbst braucht viel Fingerspitzengefühl und gute Vorbereitung. Professionelle Headhunter kennen somit das Umfeld des Kandidaten sowie die Matchingpoints für das neue Unternehmen.

Etienne Besson

Human Resources Generalist, Unilabs

Besonders bei «unerwarteten» Direktansprachen wird der Kandidat zu wichtigen, vielleicht sogar lebensverändernden Entscheidungen gedrängt: Bin ich wirklich bereit, meine jetzige Stelle zu verlassen? Und was ist, wenn es mit diesem (anscheinend) genialen neuen Job in die Hose geht? Deshalb müssen Recruiter sowie Head Hunter besonders bei nicht aktiv suchenden Kandidaten, mit viel Transparenz, Feingefühl und Respekt vorgehen. Denn im Endeffekt trägt der Kandidat das ganze Risiko.

Leserkommentare

Gianni

26/04/2016 10:26

Zur Aussage von Etienne Besson: Es braucht immer zwei dazu. Darum liegt einen Teil des Risikos auf beiden Seiten (Arbeitnehmer + Arbeitgeber). Zur Aussage von Gabriele Ulmann: Auch erfahrene Active Sourcer wissen wie passive Kandidaten (dormant candidate) anzusprechen sind. ;-) Leider gibt es sowohl etliche Social Recruiter als auch externe Personaldienstleister, die eine Annonce mit copy\/paste in eine Nachricht stecken und diese möglichen Kandidaten auf SoMe zusenden. Der Gipfel der Geschichte ist dann noch die anschliessende Frage: "Falls Sie diese Anzeige nicht interessiert, kennen Sie jemanden, den Sie mir auf diese Position empfehlen können?". LG, Gianni

Etienne Besson

26/04/2016 21:19

Lieber Gianni, du hast recht, meine Aussage am Schluss war wohl etwas zu absolut ;-) Bei einer Anstellung geht natürlich auch der Arbeitgeber ein gewisses Risiko ein. Aber die Situation ist doch etwas heikler, wenn ich mit meinem aktuellen Job relativ zufrieden bin. Wenn mich dann ein Headhunter dazu überzeugt, mich trotzdem auf eine Stelle zu bewerben, dann gehe ich ein grösseres Risiko ein als jemand, der sowieso auf Stellensuche ist. Ich weiss, dass für dich Respekt, Transparenz und Feingefühl bei der Rekrutierung selbstverständlich sind. Aber wie du selbst andeutest, es gibt auch viele Stümper. Und die spielen nicht immer mit offenen Karten.

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