«Loyalität zum Arbeitgeber – Eine Frage des Alters?»

Helge Kort

Consultant Life Sciences & Healthcare, Swissolution

Oftmals Ja! Doch die fehlende Bindung zum Arbeitgeber ist keine Charaktereigenschaft junger Mitarbeitender, sondern das Ergebnis fehlerhafter Führungs- und Unternehmenskulturen. Für die Generation 50+ ist vor allem Sicherheit entscheidend, da die Nachfrage nach ihrem Profil auf dem Arbeitsmarkt mit steigendem Alter sinkt. Im Zusammenspiel mit einem zufriedenstellenden Salär bleiben sie ihrem Arbeitgeber bis zur Pension treu. Jüngere Arbeitnehmer haben diese Angst aufgrund ihrer Perspektiven nicht, weshalb sie sich schneller beruflich verändern. Aber auch sie können sich an ihren Arbeitgeber gebunden fühlen. Voraussetzung hierfür sind Entwicklungsperspektiven, Flexibilität, Gleichstellung sowie eine lebendige Unternehmenskultur, in der sich Berufs- und Privatleben vereinen lassen. Der entscheidende Faktor für Loyalität ist jedoch Wertschätzung. Schaffen es Führungskräfte die Arbeit des einzelnen Mitarbeiters zu würdigen und stellt das Unternehmen ein Umfeld bereit, in der sich die Belegschaft wohl fühlt und gerne zur Arbeit kommt, entsteht Loyalität – unabhängig vom Alter.

Kristiana Baumann

Human Resources Manager, Mathys AG Bettlach

Langjährige Mitarbeitende zeugen von einer gelebten Unternehmenskultur und einer hohen Loyalität – oder doch nicht? Arbeitnehmende, die 20, 25 oder gar 30 Jahre im selben Unternehmen tätig sind, galten bislang als besonders treu. Allerdings ist bei genauerem Hinsehen festzustellen, dass Passivität oft mit Loyalität verwechselt wird. Unzufriedenheit und Stimmungsmache können die Folgen sein, wenn träge Mitarbeitende die nötige geistige Flexibilität nicht mehr aufbringen können oder wollen, sich im Unternehmen entsprechend zu integrieren oder die Stelle zu wechseln. Während ältere Angestellte allenfalls nicht mehr motiviert sind, sich um einen neuen Arbeitsplatz zu kümmern oder sich auf ihre Pension freuen, scheinen junge Arbeitnehmende eher sprunghaft. Eines haben beide Generationen jedoch gemeinsam: Wird ihnen mit Wertschätzung gegenüber getreten und erkennen sie den Mechanismus vom Geben und Nehmen in der Beziehung zwischen Unternehmen und Angestellten, wächst Loyalität – unabhängig von Alter oder Qualifikationsstufe.

Benno Paul Meyerhans

Geschäftsführer, Balsiger, Seibold & Partner

Die Altersfrage stellt sich bei der Mitarbeiterloyalität nur bedingt. Loyalität zum Arbeitgeber beginnt beim Management und dessen Loyalität gegenüber Mitarbeitern, Kunden und Partnern. Führungskräfte in Unternehmen müssen die Werte, die sie von ihren Mitarbeitern erwarten, vorleben. Die verschiedenen Arten der Loyalität (die zum Unternehmen als solchem; die zur direkten Führungskraft; die zu Kollegen) unterscheiden sich durchaus zwischen den Generationen, was eine situative Führung verlangt. Um eine Gruppe langfristig zusammenzuhalten, müssen deren Mitglieder ihre sozialen Beziehungen generationen- und hierarchieübergreifend zueinander pflegen. Soziale Beziehungen leben von Wertschätzung. Wertschätzung ist keine Frage der Hierarchie oder des Alters!

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