«Sind Schweizer zu bequem für einen längeren Arbeitsweg?»

Thomas Muhmenthaler

Managing Partner, SwisSolution

1970. Dietikon – Wil – Effretikon. Die Wohnorte in meinen ersten 5 Lebensjahren. Als Familie zogen wir dahin, wo Papa Arbeit fand. Das war ganz normal – niemand stellte das in Frage. Ich fragte meinen Papa warum das so war. Er meinte im Vordergrund stand ein möglichst kurzer Arbeitsweg. Das sei kostengünstig, ökologisch sinnvoll und dazu hätte er noch mehr Zeit für die Familie. Von bequem hat er nichts gesagt. 2017: Wohnort Schwerzenbach – Arbeitsort Dietikon. Nur allzu oft höre ich in der Beratung: «Gubrist / Umzug – no way!». Lieber arbeite ich (solange ich kann/darf/muss) weiter in der gleichen Firma. Macht zwar weniger Spass, aber ist bequem. Von kostengünstig oder ökologisch sinnvoll höre ich wenig. Verkehrte Welt.

Roger Würth

CEO, Le Patron Orior Menü AG

Ja - und dies berechtig! Aber nur, wenn es die Arbeitgeber nicht schaffen, attraktive Jobs anzubieten! Es ist nicht eine Frage der Mitarbeiter-Bequemlichkeit, sondern vielmehr der Attraktivität der Arbeitgeber! Aufgabe eines guten Arbeitgebers muss es also sein, ein so attraktives Arbeitsumfeld zu bieten, dass der Mitarbeiter gerne die Zeit für einen längeren Arbeitsweg investiert. Was ist schon eine Stunde Fahrt, wenn man motiviert, zufrieden und gut vorbereitet zur Arbeit erscheint und erfüllt und erholt am Abend wieder zu Hause ankommt? Ich bin überzeugt, dass viele Schweizer aus Überzeugung bereit sind, die Zeit für einen längeren Arbeitsweg zu investieren, wenn der Job stimmt!

Daniella Schori

Inhaberin & Geschäftsführerin, TM Kommunikation GmbH

66% der Mitarbeiterinnen von TM Kommunikation kommen mit dem Velo zur Arbeit. Ich habe das Thema mit meinen Mitarbeiterinnen diskutiert. Vier von uns sechs wohnen und arbeiten in Winterthur. Wir alle haben mal näher, mal weiter weg vom Wohnort gearbeitet und dank guter Zugverbindung mal bequem oder wegen ungünstiger Wegkonstellation mal unbequem gependelt. Der Tenor war eindeutig: Alle schätzen den Luxus eines kurzen Arbeitsweges. Eine interessante Arbeit ist wichtig, aber wegen Prestige oder Geld einen langen Arbeitsweg zulasten der Lebensqualität in Kauf zu nehmen, kommt eher nicht in Frage. Keine Lust auf Umzug. Was auch eher nicht in Frage kommt, ist, wegen eines spannenden Jobs den Wohnort zu wechseln. Eine für mich interessante Beobachtung. Aufgewachsen mit vielen Umzügen aufgrund der Arbeitssituation meiner Eltern, bin ich selbst häufig umgezogen – und das gerne. Mein Freundeskreis war und ist trotzdem recht stabil. Ein langer Arbeitsweg nervt mich, die Reise zum Treffen mit Freunden ist kein Thema. Gut ausgebildete Fachkräfte können Ansprüche stellen. Eindeutig ist, dass nach meiner karrierebezogenen Generation, heute die gut ausgebildete Work-Life-Balance-Generation den Arbeitsmarkt bestimmt. Die hat andere Ansprüche, auf die wir Arbeitgeber eingehen müssen. Kandidaten, die eine in meinen Augen unmögliche Anreisesituation schönreden, nehme ich nicht in die engere Wahl. Täglich drei Stunden Arbeitsweg machen unglücklich und unflexibel – beides gehört nicht in meine Firmenkultur. Fazit: Ich bin sehr dankbar, dass ich qualifizierte Mitarbeiterinnen aus der Region für mein Unternehmen begeistern konnte. Das Team passt und deshalb auch die Leistung. Drücken Sie mir die Daumen, dass das noch ein Weilchen so bleibt.

Leserkommentare

Rosella

26/07/2017 19:51

MG: 21ª acúmulo anual da ANPED, 1998.

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